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Die Geschichte des Karneval Verein Bessungen

100 Jahre Karnevalverein Bessungen ein Jubiläum, das nicht alle Tage vorkommt. Dass es den Karnevalverein heute noch gibt, ist vielen Männern zu verdanken. Zunächst den drei Männern, die die Idee hatten einen Karnevalverein zu gründen. Wie kam es eigentlich dazu?

Am 01. August 1929 fand die große Ratssitzung in der Bessunger Turnhalle zur Vorbereitung des 25-jährigen Bestehens des Karnevalvereins statt. An der Sitzung nahm auch der Mitbegründer Ludwig Schardt und der erste Präsident des Karnevalvereins teil und berichtete:

"Die Narren Illgen, Fey und meine Person haben beim Eisenbahnverein Theater gespielt. Aus diesem Grunde standen wir eines Abends – das war der 16.Dezember 1905 - nach der Probe am Zinkeeck und uns ist der Gedanke gekommen, ob wir nicht einen Karnevalverein gründen sollten. Was wir für andere Vereine machen, könnten wir auch für uns selbst machen. Narr Fey und meine Person waren ja keine Neulinge in Sachen Karneval, da wir schon in anderen Städten (Wiesbaden, Offenbach) in dieser Sache tätig waren. Nur Narr Illgen war Neuling, weil man ja Karneval in Thüringen nicht kennt. Aber er war gleich mit bei der Sache. So ließen wir drei in unserem Bekanntenkreis unser Vorhaben laut werden, und wir fanden eine große Zustimmung. Es meldeten sich 18 Personen, die bereit waren in den Verein einzutreten. So kam es, dass bereits am 18. Dezember 1905 die Gründungsversammlung im Klappacher Hof abgehalten wurde. Dem Verein gaben wir den Namen: Karnevalverein Bessungen – die Närrischen Elfer. Mit der Gründung begann auch die Arbeit, dem Verein ein Ansehen zu verleihen. Es wurde ein Komitee aus 11 Mitgliedern gebildet, dessen Vorsitzender meine Person war. Es wurde eine Satzung aufgestellt und die Vorbereitungen zu den ersten Veranstaltungen getroffen."

Die erste große Damen- und Herrensitzung fand unter großer Beteiligung der Bessunger Bevölkerung am 04.02.1906 in der Bessunger Turnhalle statt. Der Elferrat trug bei der Sitzung unter dem Motto "Lang läbe mer net, aber gut" Bierdeckel als Kennzeichen. Der ersten Orden bestand aus Bierdeckel mit einem farbigen Band. Die Mitgliederzahl wuchs sehr schnell an, so dass die ursprünglich auf 50 Mitglieder festgesetzte Grenze auf 60 erhöht werden musste.

In den folgenden Jahren wurden regelmäßig Veranstaltungen bis zum Jahre 1914 abgehalten.

1914 wurde zum letzten Mal in alter Fröhlichkeit gefeiert, dann ließ der Krieg die Narrenschellen schweigen.

Nach Kriegsende waren karnevalistische Veranstaltungen polizeilich verboten. Der Karnevalverein Bessungen hatte aber ab 1920 beginnend bunte Familienabende, Tanzfeste und Rummel auf dem Plan.

Im Schatten der Inflation stand der Maskenball im Jahre 1923, welcher als geschlossene Gesellschaft stattfand. Erst im Jahre 1925 konnten wieder Sitzungen und Maskenbälle wie vor dem Krieg stattfinden.

1930 feierte der Karnevalverein Bessungen sein 25-jähriges Bestehen. Wilhelm Hering hatte Ludwig Schardt als Präsident abgelöst. Zum Jubiläum gab es noch ein Ereignis, Theo Kümmel widmete dem Verein den Bessunger Fastnachtsmarsch "Bei uns in Lappingshause", zu dem Hermann Geppert die Melodie schrieb. Mit der Ordensbeschaffung, d. h. einen Ordensspender zu finden, hatte man schon damals, genauso wie heute, seine Mühe. So wurde der Orden, der so genannte "Pfennigorden" für Mitwirkende und Komiteemitglieder in der Huhnschen Schlosserei aus 1-Pfenningstücken zusammengelötet.

1933 wurde Adolf Volz zum Vorsitzenden und Präsidenten gewählt. Die Geschichte des Karnevalvereins Bessungen und Adolf Volz sind untrennbar. Er war 25 Jahre Vorsitzender und 33 Jahre Präsident des Karneval-vereins. In der Ära Adolf Volz hatte der Karnevalverein Bessungen schwierige Zeiten zu durchstehen. Nach der Weltwirtschaftskrise kam die Naziherrschaft auf und schließlich der zweite Weltkrieg. Noch einmal imponierte 1939 der Bessunger Karneval, wie in all den Jahren zuvor, dann aber gingen die Lichter aus. Nach Kriegsende 1945 bestand die größte Sorge ums tägliche Brot. Doch fanden sich schon bald wieder unentwegte Mitglieder des KVB und gingen an die Wiedergründung des Vereins.

Alfred Eisenhauer sammelte eine kleine Narrenschar um sich. Oskar Reichart übernahm den Vorsitz des wieder gegründeten Vereins, da sich Adolf Volz noch in Kriegsgefangenschaft befand. Der Tatkraft dieser wenigen Mitglieder ist es zu verdanken, dass der KVB vom städtischen Kulturausschuss als erster Verein in Darmstadt mit karnevalistischem Betrieb im Vereinsregister genehmigt wurde. Es dauerte aber noch bis zum 15. Februar 1947 bis der KVB unter dem Präsidenten Adolf Volz in der Stadiongaststätte "Am Böllenfalltor" seine erste Damen- und Herrensitzung nach dem Kriege abhalten konnte. Das Motto dieser Sitzung lautete "1001 Jahr sind vorbei, doch ewig lebt die Narretei".

In der Karnevalsaison 1947/48 beschritt der KVB einen neuen Weg. Am 11.11.1947 eröffnete der KVB mit einem Damenkomitee die Kampagne. Dieses Experiment wurde dann in der Damen- und Herrensitzung am 01.02.1948 in der Eberstädter Jahnturnhalle wiederholt. Den ersten Teil leitete Obernarr Adolf Volz mit seinen Männern, im zweiten Teil regierte Änne Dieter mit ihren Damen. Der KVB musste nach Eberstadt ausweichen, weil die Bessunger Turnhalle "die gud Stubb" in der Nacht vom 11/12. September 1944 zerstört wurde.

Am 25. Januar 1949 trafen sich auf Einladung der TG Bessungen Vertreter des "KVB" der Gesangsvereine "Treue" und "Einigkeit" und beschlossen die "Hall" wieder aufzubauen. Am 11. Juni 1949 wurde mit dem Aufbau begonnen, der im Oktober 1953 endete. So konnte der KVB seine Kampagne 1953/54 in der wiederaufgebauten Bessunger Turnhalle eröffnen. In der Zeit der Ausquartierung des KVB's nach Eberstadt erklang 1950 zum ersten Male der Schunkelwalzer von Fritz Mikler "Mei Lappingshause, dir gehört mein Herz", vertont wurde er von Paul Behnisch.

Im Jubeljahr 1955, als es hieß "50 Jahre Karnevalverein Bessungen", gründeten Adolf Volz und Willi Müller die KVB eigene Männergarde. Sie erhielt den Namen "Schwollesche" in Erinnerung an das einstmals in Bessungen stationierte französisches Reiterregiment, die "Chevauxlegers". Willi Müller war ihr erster Gardemajor und später Kommandeur aller Garden, der in der "IG Karneval" vereinigten Vereine.

Aus der "Schwollesche" entwickelte sich ein Männerballett, die "Schlappinos", die, wie bekannt, uns bis heute mit ihren Tanzdarbietungen erfreuen und in der Vergangenheit bei Wettbewerben erfolgreich waren. Die Damen wollten auch nicht nachstehen, und so wurde im Mai 1960 die Damengarde gegründet. Die Idee hierzu hatte Eugen Reichart, der neu gewählte 1. Vorsitzender vom KVB. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Damengarde in der Kampagne 1960/61. Anneliese Geiger war die Betreuerin und zugleich Choreographin, mit von der Partie war die Ehrenkommandeuse Änne Heeb. 1966 errang die Damengarde den Wanderpokal der Stadt Darmstadt. Im gleichen Jahr erhielt sie ihre die von Hermann Schurig gestiftete Standarte.

Mit Abschluss der Kampagne 1967 trat der Sitzungspräsident Adolf Volz nach 33-jähriger Amtszeit zurück. Nachfolger von Adolf Volz wurde Peter Geiger. Im gleichen Jahr trat Eugen Reichart als 1. Vorsitzender zurück. Den Vorsitz vom KVB übernahm August Dechert, Rudi Grünewald wurde zum 2. Vorsitzender gewählt.

In den folgenden Jahren jagte ein Jubiläum das andere. Es wurde das 65-jährige Vereinsbestehen, 11 Jahre Tanzgarde, 6 x 11 Jahre KVB und nicht zuletzt der 70. Geburtstag des KVB gefeiert. Im Jahre 1977 stellte Peter Geiger eine neue Gruppe, nämlich die "Schlappings" vor. Diese Gruppe bestand aus 8 Damen, deren Männer mit der Fastnacht verbunden waren. Im gleichen Jahr trat Peter Geiger aus gesundheitlichen Gründen als Präsident zurück. Werner Abel übernahm am 11.11.1977 das närrische Kommando über den Karnevalverein Bessungen.

Das 75-jährige Bestehen des Karnevalvereins Bessungen feierte man 1980. Eine Ausstellung in der Zweigstelle der Sparkasse Darmstadt in Bessungen zeigte einen kleinen geschichtlichen Rückblick über den KVB. Vorsitzender des Vereins im Jubiläumsjahr war Hans Lehr.

Die Jahre nach dem Vereinsjubiläum waren in besonderer Weise durch mehrere Probleme gekennzeichnet. Es trat eine gewisse Sättigung auch in Sachen Karneval beim Publikum ein. Im Wesentlichen wurde dies durch die karnevalistischen Fernsehsendungen "Mainz wie es singt und lacht", "Hessen lacht zur Fassenacht" und dergleichen mehr, beeinflusst. Eine Veränderung zeichnete sich bereits in den ersten Sitzungen der Nachjubiläumszeit ab. Man ging vorsichtig einen Schritt zu etwas mehr Revue und ein bisschen mehr Varietè in den Sitzungen. Die Tanzgruppe der Damengarde war ein vorzüglicher Wegbereiter für die neue Welle.

Bis 1981 führte Hans Lehr den Verein. Ihm folgte Klaus Ruppel als 1. Vorsitzender bis zur Eskalation in der Jahreshauptversammlung 1985. In dieser Hauptversammlung wurde Heinz Reinhard mit einer Stimme Mehrheit zum 1. Vorsitzenden und Siegbert Schreiner als 2. Vorsitzender gewählt.

Aufgrund eines Einspruchs zur Vorstandswahl fand im Oktober 1985 eine außerordentliche Hauptversammlung statt, in der Heinz Reinhard mit überwältigender Mehrheit erneut zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

Ein Großteil der Schwollesche Garde, einige Vorstandsmitglieder und die Mehrzahl der Damengarde ist nach der außerordentlichen Haupt-versammlung aus dem KVB ausgetreten und gründeten das 1. Darmstädter Gardecorps.

Trotz dieses Aderlasses ist es dem KVB gelungen, die Kampagne 1985/86 hervorragend zu überstehen nicht zuletzt durch die unterstützung befreundeter Vereine.

Georg Schäfer (MDL) hat die Damen- und Herrensitzung in der Bessunger Turnhalle geleitet.
Wolfgang Hüther, der bisher für das Protokoll zuständig war, übernahm am 11.11.1986 das Amt des Sitzungspräsidenten. Im Jahre 1988 gab es die erste Herrensitzung beim KVB. Nach dem leider viel zu früh verstorbenen Sitzungspräsidenten, Wolfgang Hüther, folgte 1990 Siegbert Schreiner. Schon im ersten Jahr der Präsidentschaft von Siegbert Schreiner entwickelte sich eine Variante des Karnevals. Erst wurde die traditionelle Damen- und Herrensitzung abgehalten und am folgenden Samstag ein Maskenball und Unterhaltungsabend mit Tanz und Kurzprogramm. Die Zweiteilung kam beim Publikum sehr gut an.

Die Kampagne 1993/94 wurde durch eine Besonderheit gekennzeichnet. Bessungen hatte seine Tollitäten, Prinz Manfred I. von der Saubach und Prinzessin Uschi von Samt und Seide (Manfred und Uschi Döring), gekürt. Sie repräsentierten den KVB und Bessungen bei vielen Sitzungen in Darmstadt und in der Umgebung.

1995 fand ein Wechsel an der Vereinsspitze statt. Fred Klein wurde zum Nachfolger von Heiz Reinhard gewählt. Im gleichen Jahr kündigte sich eine einschneidende Änderung für den KVB an. Die Bessunger Turnhalle musste aufgrund von Brandschutzauflagen umfangreich saniert werden. Im Zuge der Sanierung wurde sie zur heutigen Comedyhall umgebaut. Der KVB war wieder auf der Suche nach einer Bleibe und wurde mit der Orangerie fündig. In der Kampagne 1995/1996 ist der Umzug vollzogen worden. Die Orangerie ist nicht der ideale Ort für eine Fastnachtssitzung, aber wir haben das beste daraus gemacht und fühlen uns recht wohl dort. Aber das Wichtigste ist, wir haben eine Bleibe in Bessungen gefunden.

Nach 11 Jahren Präsidentschaft übergab Siegbert Schreiner 2003 das närrische Zepter an Peter Sonnenburg, der bis zum heutigen Tag die Sitzungen erfolgreich leitet. Über die jüngste Vergangenheit zu berichten bleibt unseren Nachfolgern vorbehalten.

Ich wünschen mir deshalb, und ich denke wir alle, dass die Bessunger Narretei weiterhin blüht, gedeiht und alle Unwägbarkeiten, die möglicherweise noch auf den Verein zukommen, wie in der Vergangenheit getan, gut überstanden werden.

Meinen Vortrag schließe ich mit dem Ausruf des 1968 verstorbenen Ehrenpräsidenten Adolf Volz: Mainz bleibt Mainz, aber Bessungen bleibt Bessungen.

Fred Klein

Literaturhinweise:

Jubiläumsschrift "75 Jahre Karnevalverein Bessungen"

Jubiläumsschrift "90 Jahre Karnevalverein Bessungen"

Vorstandsprotokolle des Karnevalvereins Bessungen